Neues entdecken: Bologna und die Emilia Romagna (12. Juni 2013)

Es muss nicht immer die Toskana sein, manchmal braucht man nur ein wenig weiter gen Süden oder Norden zu fahren, um wahrlich Gleichwertiges zu erfahren und dies zudem abseits der üblichen Touristenstrecken. Zugegeben, wenn man mit dem Auto von Mailand kommend Richtung Bologna auf der Autobahn durch die Emilia Romagna fährt, lädt dieser flache, gleichförmige Landstrich den Urlauber wenig dazu ein, neugierig darauf zu werden, gerade hier anzuhalten, um Neues oder gar Interessantes zu entdecken. Aber der Schein trügt oder wie man auf Italienisch sagt „l’apparenza inganna“.

Kurz vor Bologna ändert sich die nicht enden wollende, eintönig erscheinende Ebene. Bologna, die Hauptstadt der Emilia Romagna, eingebettet in die so genannten „collini“, zu deutsch „Hügelchen“, Ausläufer der toskanischen Berge, welche sich hervorragend als Ausgangspunkt für weitere Erkundungen eignen. Bereits von Ferne grüßt den, mit dem Auto herannahenden, Urlauber, die stolz auf einem der Hügel thronende Wallfahrtskirche San Lucca, und lädt diesen ein, sich doch einmal ein wenig genauer diese wunderbare, geschichtsträchtige Stadt, mit ihren „portici“, zu deutsch „Laubengängen“, anzuschauen.

Unter den vielen Unterkunftsmöglichkeiten ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Besonders empfehlenswert sind die kleineren Hotels, die oft einen landestypischen Charme besitzen, wie beispielsweise das „commercianti“ oder „orologio“, welche dem Reisenden ein wenig das Gefühl vermitteln, hier zu Hause zu sein. Wer es mondäner mag, dem sei das „Grand Hotel Baglioni“ anempfohlen oder auch das „Corona d’oro“, sobald es seine Pforten nach der Renovierung für den Bolognabesucher wieder geöffnet haben wird.

Bologna, „la grassa, la dotta, la rossa“ zu deutsch, „die Fette, die Gelehrte, die Rote“, besticht nicht durch spektakuläre Sehenswürdigkeiten wie etwa Florenz, sondern vielmehr durch seine harmonische Schönheit als Gesamtkunstwerk.

Alle Gebäude sind in rotem Sandstein gebaut und vermitteln hierdurch ein einheitliches Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Hieraus erklärt sich auch schon zum Teil, weshalb die Stadt „die Rote“ genannt wird. Hinzu kommt noch, dass die Stadt mit einer rebellischen linksgerichteten Tradition aufwarten kann und auch so manchen berühmten Politiker, wie beispielsweise Romano Prodi, hervorgebracht hat. Davon ist heute jedoch nur noch wenig zu spüren. Übrig geblieben ist jedoch eine Offenheit gegenüber fremden Besuchern, die selbst für so ein gastfreundliches Land wie Italien, noch besonders erwähnenswert ist.

Bologna , „die Fette“, denn hier ist eine der besten, die Bologneser würden selbstverständlich in aller Bescheidenheit sagen, die Beste aller Küchen Italiens zu Hause. Insbesondere die pasta, die in jeder noch so einfachen Trattoria hausgemacht ist, sollte man unbedingt gerade hier in Bologna genießen. Denn wer kennt sie nicht die Tortellini alla bolognese, hier nennt man sie „al ragu“? Aber nicht nur hierfür ist Bologna bekannt. Hier in Bologna isst man gerne deftig und dennoch sind die Bewohner sehr figurbewusst. Ein scheinbarer Widerspruch, der sich dadurch erklärt, dass man, wie überall in Italien, auf die kalorienschweren Saucen verzichtet und die Naturprodukte in ihrem Eigengeschmack genießt. Nicht von ungefähr ist hier in Bologna die slow-food-Bewegung, der sich mittlerweile viele Restaurants in ganz Italien angeschlossen haben, als Gegenbewegung zu der überall in der Welt grassierenden fast-food-Unart, entstanden. Aber welche der vielen Lokalitäten aufsuchen? Hier einige Anregungen. Sehr schön im Freien speisen, bei hervorragender lokaler Küche, lässt sich in dem von außen unauffälligen, kleinen Restaurant „Teresina“ in der Via Oberdan 4. Für Weinliebhaber sei das „Divinis“ in der Via Battibecco 4 besonders erwähnt. Hier können alle(!) Weine der wahrlich bemerkenswerten Weinkarte glasweise zu einfachen, aber schmackhaften, lokalen Gerichten, verkostet werden. Wer noch ein wenig Jazzmusik dazu haben möchte, der kann gleichfalls herrliche Weine, zu gleichfalls guten, typischen bologneser Gerichten in der „Cantina Bentivoglio“ in der Via Mascarella zu sich nehmen. Ebenso typische bologneser Küche zu vernünftigen Preisen findet sich bei „Da Pietro“ in der Via Falegname sowie in dem Traditionsrestaurant „Diana“ in der Via dell’ Indipendenza. Dies ist nur eine kleine, aber in fast keinem Führer zu findende, Auswahl von kulinarischen bologneser Geheimtipps.

Warum aber Bologna „die Gelehrte“? Auch dies ist einfach zu beantworten, verfügt doch Bologna über die älteste Universität Europas. Diese ist nicht mehr an historischer Stätte in der Via dell’ Archiginnasio zu Hause, in der heute jedoch ein sehenswertes Museum an die Anfänge des historischen Universitätsbetriebes erinnert, sondern vielmehr in der Via Zamboni, die schon allein wegen ihrer Mannigfaltigkeit sowie ihrer wunderbaren Gebäude längs der portici unbedingt sehenswert ist. In jedem Falle sollte auch einer der schönsten Plätze Italiens, insbesondere bei Nacht, die Piazza Santo Stefano, aufgesucht werden. Hier fühlt man sich inmitten der Stadt, wie in einer Oase zurückversetzt in eine andere Zeit, ein Ort der Ruhe und Friedfertigkeit. Zur Tageszeit lohnt ein Besuch in den „sette chiese“, den sieben Kirchen, die seit dem frühen Mittelalter nach und nach durch Anbauten entstanden und heute noch immer vollständig erhalten für den Interessierten zu besichtigen sind.

Ausgangspunkt für Erkundigungen ganz anderer Art bietet die Piazza Maggiore. Von hier aus lohnt zu Marktzeiten ein Bummel durch die kleinen Gässchen, wie die Via Pescherie oder die Via Orefici, in denen vorwiegend die Obst- und Fleischwaren in verschwenderischer Vielfalt und Üppigkeit dargeboten werden. Gleichfalls von der Piazza Maggiore ausgehend kann in der Via d’Azeglio oder in der Via Farini, in den dort ansässigen Nobelgeschäften, ein kleiner Einkaufsbummel eingeschoben werden.

Nicht verpassen sollte der Bolognabesucher auch einen der vielen schönen Innenhöfe, die sich in Bologna zumeist von einer stattlichen Fassade umschlossen, dem neugierigen Auge verbergen, zu besichtigen. Insbesondere in den Palazzi in der Nähe der Piazza Cavour sollte man einmal einen Blick in das Innere eines solchen Palazzo, wie beispielsweise dem Palazzo Barbazzi in der Via Garibaldi 3, riskieren. Sollten sie ein wenig Zeit und Lust haben, auch einmal ein solches Gebäude von innen zu besichtigen, klingeln sie doch einfach irgendwo bei den gastfreundlichen Bewohnern, zum Beispiel bei dem Autor dieses Artikels, und man wird ihnen, auch wenn sie kein juristisches Problem haben, gerne einmal Einblicke in das Innere gewähren.

Von Bologna als Ausgangspunkt kann der Emiliareisende leicht und ohne jedes Mal ein neues Hotel suchen zu müssen, Tagesausflüge zu anderen sehenswerten Orten wie etwa Ferrara oder Modena unternehmen. Modena ist nicht nur wegen seiner roten Rennwagen sehenswert, auch die Stadt an sich, mit seinem, insbesondere wegen seiner Steinmetzarbeiten an der Außenfassade, sehenswerten Dom, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wen es ans Meer zieht, der kann von Bologna aus leicht den noch immer mondänen Badeort Milano Marittima, in dem halb Bologna zur heißen Jahreszeit Abkühlung sucht, ansteuern und dies vielleicht mit einem kleinen, aber durchaus lohnenden Abstecher in das Bergdorf Bertinoro verbinden.

Gleichfalls einen Tagesausflug wert, ist in jedem Fall Ferrara, die Stadt der Este. Sehenswert ist, aber dies ist jedem Reiseführer zu entnehmen, das Castello der Este. Es gibt jedoch noch weitaus mehr, was Ferrara sehenswert macht. Aus kulinarischer Sicht ist die ferrareser Spezialität die„Ravioli di zucca“, die hausgemachten Ravioli mit Kürbisfüllung, ein absolutes „Muss“ für den neugierigen Genießer. Unbedingt sehenswert ist auch der Palazzo dei diamanti, der zu seiner Zeit als architektonisches Vorbild diente und auch im Innern den Architektur interessierten Reisenden begeistern kann. Last but not least sollte man, auch wenn man sich nicht für italienische Literatur interessiert, unbedingt ein wenig auf den Spuren des berühmten italienischen Schriftstellers Bassanis wandeln. So lohnt sich in jedem Falle in vielerlei Hinsicht, ein Gang auf den jüdischen Friedhof, den man gut auch mit einem Spaziergang um den noch vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtwall verbinden sollte. Den Garten der Finzi-Contini wird man jedoch vergeblich suchen, denn, auch wenn es hierfür in Ferrara viele Vorbilder gibt, so hat es ihn dennoch an dem beschriebenen Ort nur in der Vorstellung des Dichters gegeben.

Und wem die Toskana nach einem solchen Bolognaaufenthalt immer noch fehlen sollte, dem sei zu seiner Beruhigung gesagt, dass Florenz mit dem Zug oder Auto leicht in einer Stunde zu erreichen ist.

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