Was ist eigentlich Corporate Compliance?

Corporate Compliance oder auch Unternehmens-Compliance wird umschrieben als „eine präventiv wirkende und das Risiko der Haftung des Unternehmens beziehungsweise der Unternehmensleitung minimierende Unternehmensorganisation“ (KietheGmbHR 2007, 393). Sie spielt hauptsächlich für Aktiengesellschaften eine wesentliche Rolle, denn hier haften die Vorstände trotz der Eigenschaft als juristische Person persönlich, sollten sie gegen die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters verstoßen haben. Dieser in § 93 AktG verankerte Grundsatz ist auf die Geschäftsführer einer GmbH nicht ohne weiteres übertragbar und die Gesellschafter von Personengesellschaften haften ohnehin persönlich (bis auf den Kommanditisten einer KG).

Bei der Unternehmens-Compliance geht es vornehmlich um Fragen der Delegation von Aufgaben in horizontaler (unter den Vorständen) und vertikaler (an untergeordnete Führungsebenen) Weise. Dabei werden Fragen behandelt, ob die Delegation bestimmter Aufgaben noch zulässig ist oder ob dies ureigenste Aufgaben des Geschäftsleiters sind und ob die Delegation einer Aufgabe zu einer Haftungsbefreiung für den Vorstand führt. Es gilt im Rahmen der Corporate Compliance ein funktionierendes System der Aufgaben- und Verantwortlichkeitsverteilung zu installieren, ohne dass das Unternehmen und der Geschäftsleiter (etwa der Vorstand einer AG) für alle Fehler auf allen Ebenen im Zweifel persönlich haften.