Drohender Abstieg für die Limited

Die englische Limited ist bis jetzt ein nicht unbeliebtes Gesellschaftsmodell, das auch von deutschen Unternehmern oftmals gewählt wurde. Durch den Brexit könnte die Limited jetzt jedoch einen deutlichen Abstieg erleben.

Der BGH vertritt gesellschaftsrechtlich die Sitztheorie. Demnach ist bei der Entscheidung nach welchem Recht sich die Gesellschaft beurteilen lassen muss, davon abhängig, in welchem Land der Hauptverwaltungssitz begründet ist. Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 27. Oktober 2008 – II ZR 158/06 („Trabrennbahn“) musste sich demnach eine in der Schweiz gegründete Aktengesellschaft mit Verwaltungssitz in Deutschland als rechtsfähige Personengesellschaft behandeln lassen, mit der Folge, dass die Gesellschafter persönlich hafteten.

Für Gesellschaften aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und des EWR hatte der Europäische Gerichtshof dagegen entschieden, dass aufgrund der Niederlassungsfreiheit die Gründungstheorie maßgeblich ist und sich eine Gesellschaft demnach nach den rechtlichen Voraussetzungen des Gründungslands beurteilen lassen muss. Eine Kapitalgesellschaft, die in einem anderen Mitgliedstaat handelsrechtlich eingetragen ist, muss demnach auch von dem anderen Mitgliedstaat anerkannt werden.

Da die Schweiz dem EWR nicht beigetreten ist, gilt für Gesellschaften aus der Schweiz die Sitztheorie, so dass die Behandlung einer Kapitalgesellschaft als Personengesellschaft nach deutschen Recht droht, da insofern keine Eintragung in das Handelsregister erfolgte. Dieses Problem könnte künftig auch für Gesellschafter einer englischen Limited drohen, sofern das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austritt, und sofern nicht durch Abkommen die Niederlassungsfreiheit weiterhin gelten würde. Auf diese Problematik sollten sich Gesellschafter einer Limited mit Verwaltungssitz in Deutschland aber bereits jetzt vorbereiten, da andernfalls eine unbeschränkte Haftung der Gesellschafter droht.