Aktionärsrechte-Richtlinie: Identifikation und Information der Aktionäre via Blockchain

Durch die neue Aktionärsrechte-Richtlinie soll die Identifizierung der Aktionäre ermöglicht und die Kommunikation mit diesen erleichtert werden. Nach der Richtlinie will man dies dadurch erreichen, dass man über die „Intermediäre“ geht. Diese sollen den Gesellschaften mitteilen, wer als Aktionär im Depot gebucht ist und ihm die Nachrichten der Gesellschaft überbringen. In der Praxis gibt es bei börsennotierten Gesellschaften immer eine Kette von Intermediären, da wäre zum Beispiel der Zentralverwahrer, über Zwischenstufen sind in der Regel weitere Intermediäre eingeschaltet bis letztlich eine Bank am Ende der Intermediärkette steht. Diese Kette kann zwar theoretisch für die Identifikation und Information der Aktionäre genutzt werden, dies ist jedoch bloß in der Theorie so einfach. Eines der praktischen Probleme ist dabei, dass die rechtliche Verwahrkette zu einer realen gemacht werden muss, indem man letztlich die Softwaresysteme der Intermediäre entsprechend verknüpft. Für den IT-Laien mag dies einfach klingen, in der Praxis ist dies aber eine sehr große Herausforderung. Zudem dürfte die Handhabung dieser hierarchischen Kette seitens der Gesellschaft bei den vielen Zwischengliedern alles andere als einfach werden.

Aufgrund immer neuerer Techniken wie beispielsweise Blockchain fragt man sich, ob diese Kette überhaupt zeitgemäß ist oder, ob nicht einfachere Wege denkbar sind.

Prof. Dr. Ulrich Noack und Prof. Dr. Michael Beurskens haben sich auf dem Blog des erstgenannten mit dieser Frage auseinandergesetzt. Ihre These: Wenn alle Intermediäre, die Aktien der Gesellschaft für Aktionäre verwahren (Letzt-Intermediäre), sich in einer Blockchain unter Beteiligung der Gesellschaft zusammenschließen, braucht man die Zwischen-Intermediäre nicht mit Anfragen in beide Richtungen zu behelligen. Die Gesellschaft kann sich unmittelbar an die in der Blockchain vermerkten Verwahrer wenden und überspringt so alle Zwischenstufen.